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Kommentar

"Geesthacht im Dialog": Die Stadt Geesthacht will reden. Mit sich selbst. Auf Steuerzahlerkosten.

Die Stadt Geesthacht hat eine Gruppe gegründet, die Dialog verspricht, Beteiligung ankündigt und Meinungsfreiheit suggeriert. Was die Bürger bekommen: einen Schaukasten, in dem nur die Stadt spricht, und acht Regelseiten darüber, wie man darauf reagieren darf.

5 Min. Lesezeit
"Geesthacht im Dialog": Die Stadt Geesthacht will reden. Mit sich selbst. Auf Steuerzahlerkosten.
Geesthacht im Dialog. Nur ohne den Dialog.

Die Stadt Geesthacht betreibt seit einiger Zeit neben ihrer bestehenden Facebook-Seite, Instagram-Seite, YouTube-Seite, Webseite, Orts-App etc. eine zusätzliche Gruppe mit dem vielversprechenden Namen "Geesthacht im Dialog". Eine Gruppe, neben der Seite.

682 Mitglieder. Kein einziger fremder Post wird angenommen. Kaum Kommentare. Kaum Likes. Kaum Dialog.

Willkommen im Dialog.

Was die Stadt selbst verspricht

Direkt im ersten Post der Gruppe schreibt die Stadt:

"Diese Gruppe ist ein Ort für Information, Austausch und Beteiligung. Kommentiert gerne eure Perspektiven, stellt Fragen, bringt Ideen ein und diskutiert mit."

Und: "Diese Gruppe lebt von eurer Beteiligung."

Das sind keine kleinen Worte. Das ist ein öffentliches, nachlesbares Versprechen an 682 Mitglieder, übrigens dieselben 682, die bereits auf der bestehenden Facebook-Seite der Stadt oder den anderen Accounts nichts sagen. Dieselben Menschen, die dort nicht kommentieren, nicht teilen, nicht interagieren, wurden einfach in eine neue Gruppe eingeladen. Mit einem neuen Namen. Und der Hoffnung, dass diesmal irgendwie alles anders wird.

Es wurde nicht anders, eigentlich wurde es nur schlimmer. Wer hinschaut, schaut zu und sieht, wie das gesamte Social-Media-Konstrukt der Stadt still und leise in sich zusammenfällt. Post für Post. Woche für Woche. Ohne dass irgendjemand Alarm schlägt. Aber was weiß ich schon...

Was Steuerzahler dazu sagen sollten

Eine Facebook-Gruppe erstellt man in dreißig Minuten. Sie zu bespielen kostet Zeit und Wissen, und Zeit in einer Stadtverwaltung ist bezahlte Arbeitszeit. Jede Stunde, die ein Stadtmitarbeiter damit verbringt, Inhalte für "Geesthacht im Dialog" zu verfassen, abzustimmen und zu veröffentlichen, kommt aus dem Steuertopf.

Für einen Kanal, der inhaltlich identisch mit 15 anderen Social-Media-Auftritten ist, ist das eine ziemlich kuriose Social-Media Strategie, oder?

Machen wir mal eine ganz einfach Logik auf:

Wenn du eine App hast, klingelt die Nachricht einmal. Wenn du 10 Apps hast, klingelt die gleiche Nachricht 10 Mal. Wenn du 10 gleiche Nachrichten aus 5 Apps bekommst, ist das sicher alles, aber kein Mehrwert. Wenn das nämlich der große Mehrwert wäre, hätten Nike und Porsche jeweils 20.000 Facebook-Seiten, die sich als Gruppe tarnen. Haben sie aber nicht, weil es keinen Sinn macht und der gesamten Reputation schadet.

Was ich weiß: Ich würde das Projekt einstellen, und das meine ich wirklich von Herzen, nicht weil ich der Stadt es nicht gönne, sondern weil ihr leider so gravierende Fehler macht, die euch am Ende mehr Schaden anrichten, als ihr es selbst bemerkt.

Was mich dabei am meisten beschäftigt:

Es scheint einigen wenigen aus der Verwaltung seit einiger Zeit sehr schwer zu fallen, innezuhalten und zu reflektieren. Stattdessen wird lieber wild um sich geschlagen. Bloß keinen Ratschlag annehmen. Ob das aus Angst vor Kontrollverlust kommt, aus Unwissenheit, oder aus beidem, das kann ich von außen nicht beurteilen. Was ich beurteilen kann, ist nur das Ergebnis.

Das ist kein Dialog, keine Meinungsfreiheit und kein Austausch. Das sind Selbstgespräche auf immer mehr Kanälen, die der Stadt gerade schaden und Geld kosten. Fehlt nur noch, dass man sich selbst liked, sich selbst kommentiert und sich selbst für den nächsten Bürgerpreis nominiert. Dann wäre das Konzept konsequent zu Ende gedacht.

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