Ab August 2026 zahlen Eltern in Geesthachts städtischen Kitas 100 Euro pro Kind und Monat fürs Mittagessen. Die Ratsversammlung hat das im März beschlossen. Für eine Familie mit zwei Kindern würde das 2.400 Euro im Jahr bedeuten, allein fürs Essen.
Diese Woche schrieb mir eine Mutter aus Geesthacht. Ihre beiden Kinder besuchen eine Kita in der Stadt, beide ganztags. Sie hatte gerade erfahren, dass das Essengeld ab August steigt, und sie war fassungslos. Ich zitiere sie sinngemäß, anonym auf ihren Wunsch: "Ich gehe, so gesehen, nur noch arbeiten, um die Kita und das Mittagessen zu finanzieren. Das kann doch nicht richtig sein."
Ich habe nachgeschaut. Und ich kann ihr sagen: Es stimmt.
Die Zahlen, die keiner öffentlich aufgeschrieben hat
Die Entwicklung des Essengeldes in den städtischen Kitas Geesthachts ist in den Satzungsdokumenten nachvollziehbar dokumentiert. Wer die Mühe macht, sie nebeneinanderzulegen, sieht folgendes Bild:
Bis Juli 2025 zahlten Eltern 65 Euro pro Kind und Monat für die Gemeinschaftsverpflegung. Ab August 2025 wurden daraus 75 Euro. Ab dem 1. August 2026 sind es 100 Euro. Die Ratsversammlung hat das am 13. März 2026 beschlossen.
Das ist eine Steigerung von 54 Prozent in weniger als zwei Jahren.
Für eine Familie mit zwei Kindern in Ganztagsbetreuung bedeutet der Schritt von 75 auf 100 Euro konkret: 50 Euro mehr pro Monat, 600 Euro mehr pro Jahr, nur fürs Mittagessen. Zusammen zahlt diese Familie dann 2.400 Euro jährlich allein für Verpflegung, bevor auch nur ein Cent für die eigentliche Betreuung abgezogen ist. Wer beide Kinder ganztags betreuen lässt, landet bei Gesamtkosten schnell über 1.000 Euro monatlich.
Was die Satzung sagt, und was sie verschweigt
Die rechtliche Grundlage ist die neue Benutzungsgebührensatzung der Stadt Geesthacht (VO-26/3754). Die zugehörige Beschlussvorlage der Verwaltung trägt die Nummer VO-26/3573. Ich habe die Beschlussvorlage sowie beide Satzungsfassungen im Original gelesen.
Was dabei auffällt: Die Verwaltung räumt in der Erläuterung der Vorlage selbst ein, dass die Verpflegungskosten bisher bei einigen Kitas nicht vollständig auf die Eltern umgelegt wurden und die Stadt das Defizit ausgeglichen hat. Genau das endet nun. Was die Erhöhung der Stadt einbringt, steht ebenfalls in der Vorlage: 6.250 Euro mehr pro Monat, 75.000 Euro mehr pro Jahr, allein aus den städtischen Kitas Heuweg und Familienzentrum Regenbogen.
Was viele Eltern nicht wissen: Die Grundsatzentscheidung zur Erhöhung fiel bereits im Februar 2025, per Vorlage VO-25/3007, ohne dass damals ein konkreter Betrag festgesetzt wurde. Eltern erfuhren erst jetzt, was das bedeutet.
Was mich bei der Lektüre aufgehalten hat, ist § 1 Absatz 3. Dort steht nach wie vor: Die Stadt Geesthacht gewähre "als Ausdruck des öffentlichen Interesses" einen Zuschuss aus allgemeinen Haushaltsmitteln zur Deckung der Gesamtkosten. Dieser Satz wurde nicht gestrichen. Er klingt gut. Die Richtung zeigt trotzdem woanders hin.
Wer zahlt das wirklich?
Eine Frage, die man sich stellen muss: Wen trifft diese Erhöhung am härtesten?
Nicht die Wohlhabenden. Die können es sich leisten.
Und selbst für Geringverdiener gilt eine wichtige Einschränkung, die in der öffentlichen Debatte kaum auftaucht: Die soziale Ermäßigung nach § 7 KiTaG Schleswig-Holstein greift ausschließlich bei den Betreuungsgebühren, nicht beim Essengeld. Wer Bürgergeld bezieht, kann das Mittagessen über das Bildungs- und Teilhabepaket abdecken. Wer knapp darüber liegt, zahlt voll. Es trifft die Mitte. Familien, deren Einkommen zu hoch ist für Sozialermäßigung, und zu niedrig für Gelassenheit. Genau die Familien, die diese Stadt braucht, wenn sie über Geburtenrate, Fachkräfte und Zukunftsfähigkeit spricht.
Der politische Stand
Die Erhöhung auf 100 Euro ist beschlossen. Die Ratsversammlung hat am 13. März 2026 zugestimmt. Die Satzung tritt zum 1. August 2026 in Kraft.
Am Donnerstag, den 4. Juni 2026, berät der Sozialausschuss eine überarbeitete Fassung der Satzung (VO-26/3754) mit redaktionellen Anpassungen in öffentlicher Sitzung, 18 Uhr, Rathaus Markt 15. Die Ratsversammlung soll diese am 12. Juni 2026 formal bestätigen. An der Erhöhung selbst ändert sich nichts mehr.
Die Sitzung am Donnerstag ist öffentlich. Zuhören erlaubt. Einwohnerfragestunde ebenfalls.
Was bleibt
Die Mutter, die mir geschrieben hat, hat eine einfache Frage gestellt. Wofür gehe ich noch arbeiten?
Es ist keine rhetorische Frage. Es ist eine Rechnung, die immer mehr Eltern in dieser Stadt aufmachen und die immer seltener aufgeht.
50 Euro hier, 50 Euro da. Kita, Strom, Lebensmittel, Miete. Jede Erhöhung kommt mit einer Begründung, und jede Begründung stimmt. In der Summe entsteht trotzdem dasselbe: Ein Alltag, der für Menschen mit normalem Einkommen immer teurer wird und immer weniger Spielraum lässt. Geesthacht ist kein Einzelfall. Es ist ein Symptom.