Startseite Aktuelles Video Galerie Wetter/Elbe Tools Wahl 2027
Gesundheitspolitik

Krankenhaus Geesthacht: Warum wir den kommunalen Kraftakt brauchen

Die Entscheidung am 18. Dezember 2025 war eine Zäsur für die größte Stadt im Kreis Herzogtum Lauenburg. Was viele als Rettung feiern, könnte sich als der Anfang vom Ende der stationären Grundversorgung in Geesthacht entpuppen.

8 Min. Lesezeit

Die Entscheidung am 18. Dezember 2025 war eine Zäsur für die größte Stadt im Kreis Herzogtum Lauenburg. Der Gläubigerausschuss hat das Übernahmeangebot der Stadt abgelehnt und den Zuschlag an den Privatinvestor CTP gegeben.

Was viele als Rettung feiern, könnte sich als der Anfang vom Ende der stationären Grundversorgung in Geesthacht entpuppen. Wir blicken auf eine chronische Unterfinanzierung, politisches Taktieren und die Gefahr der Gewinnmaximierung auf Kosten der Gesundheit.

1. Die Situation: Gewinn vor Gemeinwohl?

Das Krankenhaus Geesthacht steht exemplarisch für das deutsche Gesundheitssystem. Jahrelang wurde gespart, bis die Substanz erodierte. Der Verkauf an CTP ist kein Akt der Nächstenliebe. Ein Investor verfolgt eine Renditeabsicht. In der Medizin bedeutet Rendite oft: Spezialisierung auf lukrative OPs, Abbau unrentabler Abteilungen und massiver Druck auf das Personal.

Die Gefahr:

Wird die Notfallversorgung in Geesthacht zur "schwarzen Null" degradiert, verlieren 34.000 Einwohner plus Umland ihre Sicherheit in Minutenfällen.

2. Politisches Versagen auf allen Ebenen

Man muss es deutlich sagen: Das Geesthachter Rathaus hat zu spät reagiert. Während die Insolvenz bereits Schatten vorauswarf, wurde in der Kommunalpolitik taktiert. Der Kreis Herzogtum Lauenburg, eigentlich in der Verantwortung für die Daseinsvorsorge, hat sich weggeduckt. Man ließ die Stadt Geesthacht im Regen stehen, als es um Millionenbürgschaften ging.

Geesthacht ist gewachsen – auf über 34.000 Einwohner. Wer eine Stadt dieser Größe plant, muss auch die medizinische Infrastruktur mitplanen. Das ist nicht geschehen. Man hat sich auf den Johannitern ausgeruht, bis das Schiff kenterte.

3. Krankenhausreform: Der Todesstoß für kleine Kliniken

Die Pläne der Bundesregierung (Krankenhausreform) setzen kleine Häuser unter massiven Existenzdruck. Das Krankenhaus Geesthacht droht, in ein reines Level-1i-Haus (Basisversorgung/Pflege) herabgestuft zu werden. Das bedeutet den Verlust der Chirurgie und inneren Medizin in vollem Umfang.

Wer Level 1i sagt, meint eigentlich: Sanatorium statt Krankenhaus. Das können und dürfen wir in Geesthacht nicht akzeptieren.

4. Warum wir den kommunalen Kraftakt brauchen

Ich fordere seit langem: Das Krankenhaus Geesthacht gehört in kommunale Hand. Gesundheit ist keine Ware! Wenn wir als Stadt die Kontrolle über die Immobilie und den Betrieb verlieren, geben wir die Souveränität über unsere Sicherheit auf.

Kommunales Modell:

Nur ein kommunales oder kreiseigenes Krankenhaus kann sicherstellen, dass die Notaufnahme 24/7 besetzt bleibt – auch wenn sie kein Geld verdient. Die Feuerwehr fragt auch nicht nach der Rendite, wenn es brennt.

5. Ein Blick in die Zukunft (2026/2027)

Die kommenden Monate werden zeigen, wie ernst es der Investor meint. Wenn im März 2026 die ersten Stationen geschlossen werden oder Abteilungen "ausgegliedert" werden, ist es zu spät. Wir brauchen jetzt ein politisches Bündnis über die Parteigrenzen hinweg, das der Landesregierung in Kiel die Stirn bietet.

Geesthacht braucht keinen Investor, Geesthacht braucht Verantwortung. Ich werde dieses Thema nicht ruhen lassen. Das Krankenhaus ist das Herzstück unserer Stadt – und ein Herzschlag lässt sich nicht privatisieren.

Positionspapier Krankenhaus Geesthacht Strategische Forderungen zur Daseinsvorsorge
In Kürze verfügbar
Weitere Artikel
Aufbau des Dynabeat Festivals am Menzer-Werft-Platz in Geesthacht: Bauzaun und teilweise aufgebaute Bühne am Elbufer
Community

DYNABEAT 2026 in Geesthacht: Am Roten Platz nimmt das Festival Gestalt an

4. August 2026
Bild des Beschlusses des Presserats über den Pressekodex Verstoß 6.1
Reportage

Presserat gegen Hamburger Abendblatt: Redakteur Dirk Schulz hätte Doppelrolle offenlegen müssen

4. August 2026
RNB Party Geesthacht: Sand, Sonne: Die Beachparty an der Elbe war genau das, was Geesthacht gefehlt hat
Community

RNB Party Geesthacht: Sand, Sonne: Die Beachparty an der Elbe war genau das, was Geesthacht gefehlt hat

3. August 2026
Pia Rabener (BZ): Die Methode hinter den Geesthacht-Artikeln
Meinung

Pia Rabener (BZ): Die Methode hinter den Geesthacht-Artikeln

20. Juli 2026
Lauenburgische Landeszeitung, Dirk Schulz und eine Presserat-Beschwerde mit sichtbarer Wirkung
Reportage

Lauenburgische Landeszeitung, Dirk Schulz und eine Presserat-Beschwerde mit sichtbarer Wirkung

27. Juni 2026
"Geesthacht im Dialog": Die Stadt Geesthacht will reden. Mit sich selbst. Auf Steuerzahlerkosten.
Kommentar

"Geesthacht im Dialog": Die Stadt Geesthacht will reden. Mit sich selbst. Auf Steuerzahlerkosten.

27. Juni 2026
Newsletter abonnieren?