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Meinung

Pia Rabener (BZ): Die Methode hinter den Geesthacht-Artikeln

Geesthacht. Zwei Artikel, eine Autorin, ein Muster: Pia Rabener, Lokalreporterin der Redaktion Ost, erzählt in der Bergedorfer Zeitung / dem Hamburger Abendblatt in diesem Juli gleich zweimal von Konflikten in Geesthacht, die es so nicht gibt, oder längst nicht mehr.

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Pia Rabener (BZ): Die Methode hinter den Geesthacht-Artikeln

Wer genau hinsieht, erkennt eine Methode, die immer gleich funktioniert: Ein Geesthachter Thema bekommt einen Konflikt verpasst, der Konflikt bekommt kein Datum und keine Quelle, und dann sorgt technische Trickserei dafür, dass genau diese Erzählung bei Google wochenlang ganz oben steht. Der Schaden bleibt bei denen, die sich am wenigsten wehren können: der Stadt und ihren Unternehmern.

Das Café, das längst angekommen ist

Am 14. Juli 2026, 6:30 Uhr, erscheint auf abendblatt.de ein Porträt von Pia Rabener über die neuen Inhaber des Café Plus, unter der Dachzeile "Stadtbild leidet" und mit dem Kopftuch der Inhaberin in der Überschrift. Wer den Artikel liest, erfährt eine eigentlich schöne Geschichte: Ein Ehepaar übernimmt ein Café, arbeitet hart, die Kundschaft bleibt.

Nur: Die Übernahme war im Januar. Die im Artikel geschilderten Anfeindungen liegen damit rund ein halbes Jahr zurück, und sie sind vorbei. Der Inhaber hat mir auf Nachfrage gesagt: Es gibt keinerlei Probleme. Anlaufschwierigkeiten gab es kurz nach der Übernahme, seitdem nicht mehr. Einen aktuellen Anlass für den Artikel gab es nicht, kein Jubiläum, kein Ereignis, nichts.

Die Zeitung erzählt den erledigten Konflikt trotzdem im Präsens. Und sie tut noch mehr: Sechs Tage später, am 20. Juli um 8:20 Uhr, veröffentlicht sie denselben Artikel ein zweites Mal, Wort für Wort identisch, aber unter neuer Internetadresse (Endung „-2") und mit neuem Datum. Ein Hinweis, dass der Text bereits erschienen war, fehlt vollständig; auch in den unsichtbaren Metadaten, die Google ausliest, wurde das Veröffentlichungsdatum komplett zurückgesetzt. Die alte Adresse leitet auf die neue weiter. Und es gab sogar noch eine Version dazwischen: Eine „-1"-Adresse desselben Artikels ist bis heute auf dem Server des Verlags aktiv und leitet ihrerseits auf die „-2"-Version weiter; das Internet Archive hat sie bereits am 15. und 16. Juli erfasst. Derselbe Artikel wurde binnen einer Woche also mindestens zweimal unter neuer Adresse neu ins Netz gestellt, bei der „-2"-Version nachweislich mit frischem Datum.

Und was wurde bei der "Neuauflage" redaktionell geändert? Genau drei Dinge: Das Kopftuch rückte an den Anfang der Überschrift. In den Vorspann wurde neu eingefügt, dass es sich um ein afghanisches Paar handelt. Und aus dem steinigen wurde ein schwieriger Start. Keine einzige neue Information, verschärft wurden ausschließlich die Herkunfts-Marker. Die Dachzeile "Stadtbild leidet" blieb unverändert stehen.

Ob die Autorin die Umdatierungen selbst veranlasst oder ob der Verlag sie technisch vornimmt, ist von außen nicht erkennbar, die Verantwortung dafür liegt so oder so bei der Redaktion. Die Texte, um die es geht, tragen ihre Autorenzeile.

Die Kritik, die nicht einmal der Kritisierte kennt

Elf Tage vorher, am 9. Juli, dieselbe Autorin, dasselbe Schema, diesmal beim Dynabeat-Festival, das am 7. und 8. August auf dem Menzer-Werft-Platz stattfindet. Im Vorspann behauptet die Zeitung als Tatsache: "Harsche Kritik an der Anspielung auf das namensgebende Dynamit."

Wer diese harsche Kritik geäußert haben soll? Der Artikel verrät es nicht. Kein Name, kein Zitat, keine Beschreibung, nichts, was ein Leser überprüfen könnte. Ich habe deshalb mit Festival-Mitgründer Helmo Hecker gesprochen. Ihm ist keine solche Kritik bekannt. Der Mann, dessen Festival-Motto angeblich harsch kritisiert wird, hat von dieser Kritik noch nie gehört.

Meine Anfrage an die Autorin, die Kritiker zu benennen, blieb unbeantwortet. Bemerkenswert ist auch der Umgang mit der Überschrift, belegt durch einen Archiv-Snapshot vom Erscheinungsmorgen, 8:18 Uhr: Der Artikel fährt seit dem ersten Tag zwei verschiedene Schlagzeilen. Im Seitentitel, den Google in den Suchergebnissen anzeigt, und in der Internetadresse heißt er "Dynabeat-Festival in heißer Phase - So geht das Team mit Kritik zum Motto um". Die Überschrift auf der Seite selbst lautet dagegen: „Die Eintrittskarten sind heiß begehrt". Die Kritik-Schlagzeile ist für die Google-Trefferliste reserviert, dort, wo sie zum Klicken animiert. Was auf der Seite von ihr übrig bleibt, ist der Vorspann-Satz über die "harsche Kritik": eine Tatsachenbehauptung, die jeder zu sehen bekommt, in der Trefferliste wie im Artikel, und die im gesamten Text mit keinem Wort belegt wird. Kein Name, kein Zitat, keine überprüfbare Angabe. Die Behauptung sehen alle; einen Beleg bekommt niemand.

Die Methode

Legt man beide Fälle nebeneinander, und die Fälle aus der Chronik des journalistischen Versagens daneben, ergibt sich ein wiederkehrender Bausatz:

Und dieses Muster hängt nicht an einer einzelnen Autorin. Erst im Juni drehte die Lauenburgische Landeszeitung im „Ahrtal-Bluff" die eigene Quelle ins Gegenteil: 2023 zitierte dasselbe Blatt den GERICS-Forscher noch mit der Aussage, Überflutungen wie im Ahrtal seien in der Geesthachter Topographie nicht zu erwarten. 2026 wurde aus derselben Studie eine Schlagzeile, die die Ahrtal-Katastrophe mit ihren 135 Toten an Geesthacht heranrückt, der entlastende Kernsatz: verschwunden. Gleiche Studie, gleicher Verlag, entgegengesetzte Botschaft. Was sich ändert, ist nur, welche Erzählung gerade Klicks verspricht.

So funktioniert es

Die einzigen Änderungen der Neuauflage: Das Kopftuch rückt an den Anfang, die Herkunft neu in den Vorspann. Neue Informationen: keine.
Zwei Schlagzeilen für einen Artikel: Google zeigt die Kritik-Version, die Seite die harmlose. Der "Harsche Kritik"-Satz steht in beiden, belegt wird er in keinem.

Wer hier das Stadtbild beschädigt

Die Ironie dieser Geschichte steckt in der Dachzeile der Zeitung selbst. Das digitale Stadtbild von Geesthacht, das, was Menschen sehen, wenn sie den Namen dieser Stadt bei Google eingeben, wird nicht von einem Kopftuch geprägt. Es wird davon geprägt, was in den Suchergebnissen oben steht. Und dort stand in diesem Juli, dank Umdatierung gleich mehrfach hintereinander: Geesthacht, die Stadt, in der Café-Inhaberinnen angefeindet werden und Festivals harsch in der Kritik stehen. Das eine ist seit Monaten vorbei, das andere kennt nicht einmal der angeblich Kritisierte.

Wenn hier etwas das Stadtbild beschädigt, dann nicht die Menschen, die in dieser Stadt Cafés eröffnen und Festivals auf die Beine stellen.

Was jetzt läuft

Ich habe die Umdatierungspraxis bei Google gemeldet und den Fall zusätzlich direkt an Kontakte im Google-Search-Umfeld herangetragen. Dem Deutschen Presserat liegt eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht (Ziffer 2 Pressekodex) vor, der Wettbewerbszentrale eine Beschwerde wegen Irreführung. Die Chefredaktion des Abendblatts und die Spitze der FUNKE Mediengruppe wurden um Stellungnahme gebeten. Über die Ergebnisse werde ich an dieser Stelle berichten, mit Datum. Mit einem echten.

  • Café-Plus-Artikel, wortgleiche Version vom 20.07.2026, 8:20 Uhr (URL-Suffix „-2"): Wayback Machine, 20.07.2026

  • Wayback Machine: Erfassungen der Original-URL am 14.07.2026 sowie der Zwischenversion mit Suffix „-1" am 15./16.07.2026

  • Dynabeat-Artikel vom 09.07.2026 (Kritik-Aufhänger in URL, Seitentitel und Vorspann): Wayback Machine, 20.07.2026

  • Google-Richtlinien gegen künstliches Auffrischen: developers.google.com

  • Vollständige, zeitgestempelte Seitenkopien aller Versionen, einschließlich der Erstveröffentlichung vom 14.07.2026, 6:30 Uhr, und des Dynabeat-Artikels vom Erscheinungsmorgen 09.07.2026, liegen mir als PDF und Screenshot vor

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